Wenn es eines gibt was ich mag, dann ist es Provokation. Kein stumpfes Gepöbel Marke “Ey, was willsch du?” sondern viel mehr die Provokation mit Klischees, Vorurteilen, Wortspielen oder auch schlicht der Blödheit von Menschen. Es reicht oft schon aus, wenn man bemerkt, dass das Gegenüber einen Bildungsstand eines Pavians besitzt und man sich schlicht etwas gewählter ausdrückt, nur um das blöde Gesicht zu sehen. Bei so etwas kann sich allerdings auch ein ungebildeter, gar dummer Mensch meinen Respekt verdienen. Wer so tut, als hätte er alles verstanden, der bekommt anschließend mit einer Frage den verbalen Gnadenstoß versetzt. Es gibt allerdings auch die Ausnahmen, nämlich die Leute die offen zur Bildungslücke stehen und entgegnen “Nochmal für Dumme bitte!”. Unwissenheit ist keine Schande und mir geht es bei einigen meiner Mitmenschen ähnlich: Ich verstehe nur Bahnhof! Im Internet kann man sich da noch leicht behelfen, man nutzt Google oder Wikipedia um sich schlau zu lesen (würde nur jeder soweit denken) um dann wirklich mitreden zu können, bei normalen Gesprächen hilft dann meist nur eine freundliche Frage nach einer Erklärung.
Worauf ich eigentlich hinaus will: Eine der besten Möglichkeiten Leute zu schocken ist das Spiel mit NS-Symbolik. Damit meine ich weniger das hinschmieren von verfassungsfeindlichen Symbolen an Kindergärten sondern das Erwecken eines Anscheins der aber so nicht gegeben ist. Mein neuster “Streich” ist die Umgestaltung meines Left 4 Dead-Clans “Hell Was Full”. Der Name war sowieso nur temporär gedacht und ein Schnellschuss – wer versucht innerhalb einer Stunde einen guten Namen für ein Projekt zu finden weiß wovon ich rede – und zudem hat sich durch die Mitglieder deutlich gezeigt, dass auch Interesse an anderen Spielen besteht. Daher wurde aus “Left 4 Dead” ein “Multigaming” und der Name des Clans wurde zu “Blut und Stahl”. Wer sich hier nun an NS-Parolen wie “Blut und Ehre” oder “Hart wie Kruppstahl” erinnert fühlt, der befindet sich genau dort wo ich ihn haben möchte: Auf dem Weg tiefer in die eigene Engstirnigkeit. Denn was sagt der Name denn schon aus? Richtig: Im Grunde eigentlich überhaupt nichts!
Der nächste Schachzug folgt mit dem Logo und der Farbwahl. Schwarz, Rot und Weiß dominieren den Internetauftritt des Clans, wobei die Farbwahl schlicht aus gestalterischer Ästhetik getroffen wurde. Wer einige meiner älteren Projekte kennt, der weiß, dass ich für diese Farbkombination eine Vorliebe habe und wer mich persönlich kennt, der weiß auch, dass ich diese Farben auch bei Kleidung gern kombiniere – schlecht wegen des Kontrasts. Dazu kommt das Logo das mit Fügeln und Totenkopf noch einen draufsetzt. Dabei habe ich mir bewusst für die Flügel nicht den Bundesadler oder gar den Reichsadler sondern italiensche Abzeichen zum Vorbild genommen (danke an Guldhan für die Inspiration) und der Totenschädel hat mit dem Totenkopf der SS etwa soviel gemein wie ich mit Frau Merkel.

Addiert wird dazu noch der Schriftzug, einer Stencil, also einer Schablonenschrift wie sie häufig beim US-Militär zu finden ist. Bleibt noch zu erwähnen, dass insbesondere der (im Moment einzige) Spieleserver fast alle Texte in einer Vielzahl an Sprachen ausgibt (je nach Herkunft des einzelnen Spielers) und für alle Texte die nicht multilingual vorliegen englisch als Hauptsprache nutzt. Von rechtsradikalen Tendenzen also im Grunde keine Spur, nichts weiter als ein gewolltes Verwirrspiel mit dem fehlenden Rückgrat der meisten Deutschen. Zumindest bis die NPD ihre Website auch auf türkisch anbietet, dann muss ich mir wohl etwas einfallen lassen um uns doch etwas merklicher von braunem Gesocks abzugrenzen.



Guldhan schrieb am
22. Jan 2010 um 00:04
Das Spiel mit der Assoziation ist doch immer ein gewinnbringender Zeitvertreib. Denn wie du schon schriebst, so sind die Einzelelemente vorurteilsfrei, die Art der Anordnung allerdings lässt im gutbürgerlichen Hirn das Logo eine Metamorphose zur roten Reichsflagge durchleiden. Richtig ermüdend wird es, wenn man die Art und Weise bewusst nachahmt. Versuche dann solchen Differenzierungsverweigerern zu erklären, dass man es rein auf die Gestaltungsästhetik abgesehen hat und damit in keiner Weise eine Lobeshymne an die damalige politische Maschinerie abgeben wollte. Man wird hier zu Lande wohl nie das eine vom anderen trennen können. Vielleicht auch zu recht, weiß ich nicht. Mich ödet es jedenfalls an. So unterhielt ich mich letztens mit einem Freund darüber, dass der Reichsadler von allen Deutschlandsgeflügeln, von 500 bis 1995, gestalterisch das interessanteste Auftreten besaß. Aber erzähle das einmal einem Standardbürger, der interpretiert in diese Worte sofort eine NS-Sympathie und meint schon das Wort »Arier« auf meiner Stirn zu erkennen.
Die Sache ist ja die, dass der Parteiapparat damals einiges tat, um auch über die Symbolik den Pöbel in seinen Bann zu ziehen. Und so klaute und zirkelte man einen Stil zusammen, welcher nun mal in seiner Art recht monomental sowie kraftvoll wirkte und gleichzeitig stilisiert gewesen ist. Eine Mischung, die einen auch ganz unpolitisch faszinieren kann, aber nicht darf. Und es ist wirklich ein Jammer, dass durch dieses Gesindel von damals und heute so viele Elemente und deren Kombination ihr Dasein in Untersuchungshaft fristen dürfen.
Dummerweise tendiere ich bei Entwürfen meistens zu diesem Stil. Zuletzt Vorgestern, als ich meine Bewerbungsunterlagen abänderte. Und dann sehe ich den Entwurf, sehe den Farbkontrast Schwarz-Weiß-Rot und sehe die energische Geradlinigkeit. Sehe die Formen, die böses vermuten lassen, denke: »Verdammt« und darf von neuen beginnen. Von der Wahl diverser Schlagworte mal ganz abgesehen.
Der Deutsche ist wohl so, er sieht ein Teilelement und sofort rattert das dazugehörige Negativ durch den Kopf und wird wie ein Schmierfilm über die komplette Erscheinung gezogen. Ohne zu Hinterfragen oder einmal genauer hinzusehen wird die Assoziation in all ihrer Subjektivität zur Rechtfertigung für die haltlose Kritik.
Post scriptum: Mich wundert es, dass »Blut und Stahl« noch als Domain frei war.
Thomas schrieb am
22. Jan 2010 um 01:13
Das mit der Domain hat mich auch umgehauen. Ich hab dann erstmal nachgeprüft ob ich nicht unbewusst doch irgendwas selbst zusammengefummelt hab, dass als verfassungsfeindlich angesehen wird aber mehr als ein Buch mit diesem Titel hab ich nicht gefunden. Wie dem auch sei, ich bin mit Name und Domain mehr als glücklich und kann zum ersten mal sagen: Die erste Idee für eine Domain die ich hatte war noch frei!